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Begegnung mit Dr. Franz Alt

 

Franz Alt will Lust auf Zukunft machen

 

Ein Artikel aus der Leonberger Kreiszeitung Von Henning Maak vom 15.11.2017

 

Franz Alt braucht nur wenige Sätze, um die rund 200 Schüler der Oberstufe des Albert-Schweitzer-Gymnasiums (ASG) in seinen Bann zu ziehen. Man könnte eine Stecknadel fallen hören, so ruhig ist es im lichtdurchfluteten Atrium der Schule. Schulleiter Klaus Nowotzin kann es kaum fassen, dass es ihm gelungen ist, den langjährigen Moderator des Politmagazins Report nach Leonberg zu locken. „Ich habe ihn vor sechs Wochen bei einem Vortrag über Albert Schweitzer im Schwarzwald erlebt und gefragt, ob er diesen nicht auch bei uns halten kann“, erzählt er in seiner kurzen Eröffnungsansprache.
Es sei erstaunlich, dass ein „Mann seines Kalibers“ sofort „ja“ gesagt hat. Geholfen hat dabei sicherlich, dass Franz Alt am Sonntagabend zusammen mit einigen anderen Persönlichkeiten das Löwenherz der Leonberger gemeinnützigen Organisation Human Projects erhalten hat und sich beide Termine verbinden ließen.

 

 

 

Parallelen zur aktuellen Politik

 

Alt spricht über die Seelenverwandtschaft des Dalai Lama und des ASG-Namensgebers Albert Schweitzer und bezieht sich dabei auf ein von ihm verfasstes Buch mit dem Titel „Ethik ist wichtiger als Religion“. Gemeint sei damit, dass nicht irgendwelche Religionsdogmen entscheidend seien, sondern das Leben an sich. „Der Dalai Lama wurde immer entsetzter als er sah, was Religion alles anstellt und was mit Religion angestellt wird“, sagt Alt. Tibets geistiger Führer sei fast darüber verzweifelt, dass im Namen aller Religionen getötet wurde und Religion die Hauptursache für Kriege sei. „Und jetzt droht der amerikanische Präsident Donald Trump im Namen Gottes mit der Vernichtung Nordkoreas“, stellt der 79-Jährige den Bezug zur Gegenwart her.

 

Wie schon Albert Schweitzer zu Beginn des Atomzeitalters, warne der Dalai Lama vor einem Atomkrieg, der das Ende der Menschheit wäre. Man müsse das Gemeinsame zwischen den Menschen mehr betonen als das Trennende, zitiert er weiter. Jede Religion berge ein Gewaltpotenzial in sich, daher brauche die Welt eine säkulare Ethik jenseits aller Religionen.

 

 

 

 

 

 

„Ethik und Religion sind wie Wasser und Tee“, zitierte Alt den Dalai Lama. Die Menschen könnten ohne Tee leben, aber nicht ohne Wasser. Die Menschen würden ohne Religion geboren, aber nicht ohne Mitgefühl.

 

 

 

Parallelen sieht der Journalist zwischen Albert Schweizer und dem Dalai Lama auch bei der Frage der Abschreckung: Es habe immer die Doktrin vorgeherrscht, wer den Frieden wolle, müsse den Krieg vorbereiten. „Beide haben aber betont, wer den Frieden will, muss den Frieden vorbereiten“, sagt Alt, der völlig frei redet. „Das 21. Jahrhundert, euer Jahrhundert, kann noch immer ein Jahrhundert des Friedens werden“, ruft der 79-Jährige den „lieben jungen Leuten“ zu.

 

 

 

 

 

 

Atomkrieg und Klimawandel als große Themen

 

 

 

Dazu müsse man aber neben der Gefahr des Atomkrieges auch das zweite große Problem des Klimawandels in den Griff kriegen. „Wir müssen lernen, anständiger mit der Erde umzugehen“, fordert der Journalist. Seine Generation habe nicht nachhaltig genug gelebt, aber sie habe immerhin die Technik bereit gestellt, es nun anders zu machen. Die Welt sei voller Energie, allein die Sonne liefere 15 000 Mal mehr als die gesamte Menschheit benötige. Bundeskanzlerin Angela Merkel sei es 2011 relativ leicht gefallen, den Ausstieg aus der Atomenergie zu verkünden. „Die Franzosen tun sich viel schwerer, weil in Atomkraftwerken das Material für ihre Atombomben produziert wird“, sagt Franz Alt.

 

 

 

 

 

 

 

Auf die Frage einer Schülerin, was man als Einzelner gegen einen Atomkrieg machen könne, erklärte der Journalist, man könne zumindest die Parteien wählen, die nicht auf Atomenergie setzen würden. Ein anderer Schüler wollte wissen, was man denn mit den ganzen Kumpel im Ruhrgebiet machen solle, wenn man nicht mehr auf Kohle als Energieträger setze. „Die Kohle-Kumpel brauchen natürlich eine Perspektive im Bereich umweltverträglicher Energien“, antwortete Alt. Aber es sei der Lauf des Lebens, dass man sich umstellen müsse. Sein Vater sei Kohlehändler gewesen, er habe zusammen mit ihm Kohle ausgeliefert. Schon heute sei es aber so, dass noch 30 000 Menschen in der Kohleindustrie arbeiteten, aber bereits 330 000 im Bereich der erneuerbaren Energien.

 

Schulleiter Klaus Nowotzin bedankte sich nach rund eineinhalb Stunden bei Franz Alt mit den Worten: „Sie haben geschafft, wovon jeder Lehrer träumt – nämlich die Schüler anzuregen, über das eine oder andere nachzudenken“. Diesen Ball nahm Alt in seinem Schlusswort auf: „Ich wünsche euch viel Spaß beim Nachdenken und Lust auf Zukunft.“

 

 

 

 

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