| Theateraufführung Literaturkurs 2012 |
Die Räuber – reloaded und reichlich wild
Schillers Räuber hat der Literaturkurs der Jahrgangsstufe 1 am ASG in einer Aufführung gezeigt.Ein Artikel aus der Leonberger Kreiszeitung vom 06.07.2012 von Sybille Schurr
Schillers Räuber, eine Werk, das wohl jeder Gymnasiast wenigstens einmal in seinem Leben liest, war der Ausgangsstoff, aus dem der Literaturkurs der Jahrgangsstufe 1 am Albert-Schweitzer-Gymnasium eine Theateraufführung gemacht hat. Die Schüler haben sich im Unterricht ausgiebig mit dem Klassiker beschäftigt. Herausgekommen sind „Die Räuber – Reloaded“. Am Mittwoch war Premiere und am heutigen Freitagabend um 20 Uhr wird das Ergebnis des Kurses erneut im Atrium der Schule gezeigt. Ein wildes Stück bringen die Schüler auf die Bühne. All die existenziellen Fragen, die den 20-jährigen Schiller zu seiner Zeit beschäftigten, liegen auch nicht weit weg von den Dingen, die die Jugendlichen des 21. Jahrhunderts umtreibt. „Die Räuber – Reloaded“ überträgt das Drama von einst in den Alltag von heute. Familienknatsch und Eifersüchteleien, problematische Beziehungen, und Liebe, Intrigen, Mord und Selbstmord – das ist der Stoff, der offensichtlich auch heute noch bewegt. Denn selbst auf dem Internetportal You Tube findet man eine (respektlose) Fassung des Klassikers.
Ausgangspunkt der Geschichte ist die Rivalität zweier Brüder. Karl (Moritz Glaser), der attraktive, kluge ist der Lieblingssohn von Vater Maximilian, Franz (Nick Kalwig) fühlt sich zurückgesetzt, ungeliebt. Das Drama nimmt seinen Lauf mit einem tödlichen Ende. „Die Räuber – Reloaded“ ist eine Familientragödie, wie sie sich heute noch abspielt. Das klassische Deutsch des Originals wird in die flapsige Jugendsprache übertragen, und der hat sich Schiller auch zu seiner Zeit bedient. Nah an der klassischen Vorlage haben sich die Schüler orientiert. So wird das Stück zu einem eindringlichen Beispiel dafür, dass sich hinter klassischer Sprache nach wie vor aktuelle Konflikte verbergen. Existenzielle Fragen stellen sich in der „Sturm- und Drangzeit“ mit ihrem unbändigen Freiheitswillen. Der kann sich auf eine idealistische positive Weise äußern oder er verändert sich in Richtung eines negativen Freiheitsdrangs und bekommt kriminelle Züge.
Zina Emadi [im Bild unten rechts mit unserer Technik AG, die wieder hervorragende Arbeit geleistet hat; Anm. d. Red.], ehemaliger Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums hat eine atmosphärisch dichte Musik für das Stück geschrieben, die sich ebenso dramatisch aufbaut wie das ganze Geschehen auf der Bühne.
In einem fast atemlosen Szenenreigen inszeniert Melanie Elhardt das Drama, das sich mehr und mehr zuspitzt. Um familiäre Hintergründe deutlich zu machen, haben die Schüler bei der Erarbeitung des Textes eine Reihe neuer Figuren hinzugefügt. In Schillers „Räubern“ haben die Männer das Sagen, in der Reloaded-Fassung bekommen sie weibliche Pendants.
Der Literaturkurs hat sich auf ein spannendes Experiment eingelassen, einen Klassiker gründlich entstaubt. Die Kampfansage gegen Zwang und Gewalt hat auch in neuer Jugendsprache nichts an Bedeutung verloren. Die Verve, mit der sich die zahlreichen Darsteller in die Interpretation ihrer Rollen stürzen, ist eindrücklich, auch wenn sich die eine oder andere Sprachlücke auftut für ältere Theaterbesucher. Das war vermutlich schon bei Schiller so – alter Zeitgeist in neuem Gewand.
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